Am 27. und 28. Oktober 1903 kamen in Kassel 76 Männer zusammen, die im Reich Gottes arbeiteten – Gemeinschaftsprediger, Evangelisten, Mitarbeiter aus verschiedenen Verbänden und Ausbildungsstätten. Sie kannten einander kaum, teilten aber dieselbe Erfahrung: einen Dienst, der oft einsam war und für den es keine Kollegenschaft gab. Aus diesem Treffen entstand die Reich-Gottes-Arbeiter-Vereinigung, kurz RGAV. August Dallmeyer aus Kassel wurde ihr erster Vorsitzender.
Schon zum 1. Januar 1904 erschien die erste Nummer der Vereinszeitschrift, Der Reichgottesarbeiter, im Untertitel als Organ der Vereinigung der Reichgottesarbeiter in Deutschland. Im April desselben Jahres traf man sich zur ersten Hauptkonferenz. Beides – das Heft und die Konferenz – sollte die Vereinigung durch das ganze Jahrhundert begleiten.
Zwei deutsche Staaten, zwei Bruderschaften
Die Zeitschrift überstand zwei Weltkriege, nicht ohne Schaden. Von 1937 an erschien sie nur noch als schlichter Dienstbrief, und die Überlieferung wird dünn: Im Archiv finden sich Hefte bis 1947, danach klafft eine Lücke. Erst mit Heft 1 des Jahres 1953 kehrte sie zu ihrer alten Form und ihrem alten Namen zurück; das Heft selbst spricht von einer Pause von etwa acht Jahren.
Die Teilung Deutschlands teilte auch die Vereinigung. Im Osten bildete sich die Predigerbruderschaft mit eigenen Brudertagen und einer jährlichen Bruderwoche, im Westen führte die RGAV ihre Hauptkonferenz und die Bezirkskonferenzen weiter. Vierzig Jahre lang taten zwei Bruderschaften dasselbe, ohne zusammenkommen zu können.
1991, bei der Hauptkonferenz in Bischofsheim, erarbeiteten Vertreter aus Ost und West eine gemeinsame Satzung und beschlossen den Zusammenschluss.
Neuer Name, alte Buchstaben
Mit Heft 2 des Jahrgangs 1998 legte die Zeitschrift den alten Namen ab und hieß fortan akzente – für Theologie und Dienst. 2004 folgte der Verein und nannte sich RGAV – Dienstgemeinschaft für Verkündigung und Seelsorge e. V. Von der Reich-Gottes-Arbeiter-Vereinigung blieben nur die vier Buchstaben – ein Name, den man nicht mehr erklären mochte, und den man doch nicht ganz aufgeben wollte.
Aus der Bruderschaft war längst eine Dienstgemeinschaft geworden, der auch Frauen angehörten. Ab wann und wie viele es waren, lässt sich heute nicht mehr sicher sagen.
Die Bezirksarbeit ging zurück. 2004 gab es noch zwölf Bezirksverbände; der letzte, Sachsen, stellte 2019 seine Arbeit ein. Im April 2023 beschloss die Mitgliederversammlung die Auflösung zum 31. Dezember desselben Jahres. Von rund 270 Mitgliedern standen zuletzt nur noch siebzig im aktiven Dienst. Mit dem Verein endete auch die Zeitschrift; der letzte Jahrgang war der 118.
Was bleibt
Was bleibt, sind die theologischen Aufsätze. Über 1600 aus 120 Jahren, geschrieben von Predigern für Prediger – und immer wieder auch von Theologen, deren Namen weit über den Gnadauer Raum hinaus bekannt sind: Jürgen Moltmann, Eberhard Jüngel, Walther Zimmerli, Walter Künneth, Helmut Gollwitzer, Rudolf Bohren, Christoph Kähler, Theo Sorg.
Dieses Archiv macht sie wieder zugänglich. Möglich wurde das durch die Arbeit vieler Hände über viele Jahre – nicht zuletzt durch Werner Beyer, der die alten Hefte aus der Gründerzeit Seite für Seite eingescannt hat. Er hat die Fertigstellung nicht mehr erlebt.
Nachweise
Beide Titel sind in der Zeitschriftendatenbank verzeichnet: Der Reichgottesarbeiter unter der ZDB-ID 506449-1 mit dem Erscheinungsverlauf 1904 bis 1998, Akzente für Theologie und Dienst unter der ZDB-ID 1427298-2 für die Jahre 1998 bis 2023. Die Hefte sind in der Deutschen Nationalbibliothek nachgewiesen und als Pflichtexemplar in der Württembergischen Landesbibliothek Stuttgart dauerhaft archiviert.